Unbekannte Berühmtheiten

27. August 2021

Manchmal frage ich mich: „Was wurde eigentlich aus unbekannten Berühmtheiten?“ Ein Beispiel: Weiß etwa jemand, was aus dem Mädchen wurde, das 1969 bei einem Rolling Stones Konzert im Madison Square Garden lautstark „Paint It Black“ gerufen hat? Das ist auf der Platte „Get Yer Ya-Ya’s Out!“ vor „Sympathie For The Devil“ deutlich zu hören und ist wohl millionenfach gehört worden.

Können tote Gänse glücklich sein?

4. August 2021

Ein Versandhaus bewirbt Dauenpolster mit dem Slogan „Glückliche Gänse – kein Lebendrupf“. Illutriert wird das mit einer Schar glücklicher Gänse und einem an Gütelsiegel erinnernden Icon. Da die einzige Alternative zu Lebendrupf Totrupf ist, frage ich mich, wie glücklich tote Gänse sein können.

Ob andere das auch sehen?

1. August 2021

Manchmal sehe ich Dinge, bei denen ich mich frage, ob andere Leute das auch sehen oder bemerken würden.

Der funkelnde Bahnsteig

Nehmen wir zum Beispiel eine Szene am Bahnhof Steyr Münichholz. Es war Nacht und es regnete. Ich saß im Warteunterstand. Mir gegenüber, auf der anderen Seite der Geleise beleuchte eine Straßenlaterne den Bahnsteig.
Immer wenn ein Tropfen des Regens am Bahnsteig aufschlug, reflektierte er das Licht der Laterne. Dann verlief sich der Tropfen und das Leuchten verblasste.
Da es im Regen aber viele Tropfen gab, die aufschlugen und einen verblassenden Lichtpunkt erzeugten schaute es aus als würde der Bahnsteig funkeln.
Ich war allein auf dem Bahnsteig, so konnte ich niemanden fragen, ob er das Funkeln auch sehe. Und erzählen brauche ich das erst recht niemand. Denn ab der Sekunde zehn meiner Ausführungen stellen meine Zuhörer in der Regel das Zuhören ein. Besonders deutlich zeigen sie mir das, wenn sie – während ich anhebe, etwas zu erzählen – ihr Tipp-&Wischding zur Hand nehmen und zu tippen und wischen beginnen. Entweder liegt das an der Frequenz meiner Stimme oder an meiner langweiligen Art, etwas zu erzählen.
Und ob Leute, die das Funkeln sehen, davon ebenso angetan wären wie ich, werde ich nie ergründen.

Noctiluca scintillans

Das führt uns zurück in eine Zeit, in der ich weder den Begriff Noctiluca scintillans kannte, noch wusste, dass es das gibt. Es war in Südfrankreich am Atlantikstrand und es war Nacht. Ein paar Flaneure zeigten mir, dass der feuchte Sand grünleuchtend funkelt, wenn man mit der Hand drüber streicht. Das faszinierte mich sehr und ich musste diese Information unbedingt weiter geben. Ich zeigte das Phänomen anderen Flaneuren. Die meiste meinten nur gelangweilt: „Stimmt. Das leuchtet.“ und gingen weiter ihrer Wege.
Zu der Zeit gab es weder Internet noch Handy und es dauerte Jahre, bis ich erfuhr, dass es sich bei dem Phänomen um Meereslebenwesen namens Noctiluca scintillans handelte.

Ein frisch gehäuteter Krebs

Springen wir wieder in die nahe Vergangenheit: In St. Valentin gibt es die Johann-Lischka-Brücke über die Erla. Eines Tages schaute ich von dieser Brücke aufs Wasser und sah einen Krebs, der sich gerade gehäutet hatte. Das wollte ich einer Fußgängerin zeigen, die gerade über die Brücke ging. Aber sie war an dem Krebs ebenso minderinteressiert, wie die Flaneure in Frankreich an der Noctiluca scintillans.

Fußball

Ich nehme es den Leuten nicht übel, dass sie von Ereignissen gelangweilt sind, die mich faszinieren. Umgekehrt ist genauso: So geraten manche Leute vor Begeisterung geradezu aus dem Häuschen, wenn sie bei bestem Wanderwetter im Fernsehen ein Fußballspiel anschauen. Ich wiederum finde Fußball derart langweilig, dass ich spätestens nach der Sekunde zehn mein Tipp-&Wischding herausfischen würde.

Das große Jausenwunder von Mariazell

3. September 2017

Nur eine Dreiviertelstunde war ich im Wallfahrtsort Mariazell, der für seine Wunder bekannt ist. Und fast hätte ich dort ein Jausenwunder erlebt.
Die Dreiviertelstunde reichte gerade, um einen kleinen Rundgang zu machen und Lebkuchen zu kaufen.
Als Abschluss kaufte ich mir in einem Supermarkt eine Jause, die in ein weißes Papiersackerl verpackt war.
Ich trug es zur Kasse, bezahlte, nahm das weiße Papiersackerl und wollte schon meiner Wege gehen als die Kassadame rief: „Sie haben das falsche Sackerl!“ Tatsächlich hatte ich mein weißes Sackerl mit jenem der Jausenkäufer hinter mir verwechselt.
Hätte die Kassadame das nicht bemerkt, hätte ich das große Jausenwunder von Mariazell erlebt. Auf wundersame Weise hätten sich meine Wurstsemmel in einen Kornspitz mit Liptauer und die Leberkäsesemmel in ein Wachauerweckerl mit Schnittkäse verwandelt gehabt. Oder auch in etwas anderes. Ich werde es nie erfahren.

Wundersame Worte am Wasserglas

10. Juni 2015

Ich bekam einmal ein Wasserglas geschenkt, in das die Worte „Glück“, „Zufriedenheit“ und „Erfolg“ eingeritzt waren. Im Beipackzettel dazu wurde erklärt, dass das Wasser, das man daraus trinkt, von den Worten aktiviert werde und man auf diese Weise „Glück“, „Zufriedenheit“ und „Erfolg“ zu sich nehme. „Oje!“ dachte ich mir: „Und ich habe jahrelang Wasser aus einem Glas getrunken, auf dem ‚Bier‘ stand.“ Was Wunder, dass ich jetzt so gern Bier trinke. Doch ich habe nun einen Weg gefunden, damit umzugehen: Ich trinke Bier nur noch aus Gläsern, auf denen „Kräutertee“ steht.

Wenn sich das Reden zu erübrigen droht

17. August 2014

Vor vielen tausend Jahren wohnte ich eine Zeit lang am Margaretenplatz in Wien. In der Zeit kaufte ich zwei- bis dreimal in der Woche Brot in immer der selben Bäckerei. Anfangs verlief der Dialog zwischen der Verkäuferin und mir so: „Guten Tag“ – „Guten Tag, bittesehr?“ „Ein halbes Kilo Mischbrot bitte“ – „Bitteschön. Macht zwölf Schilling. – Danke. – Auf Wiedersehen“ – „Auf Wiedersehen.“
Da ich immer genau ein halbes Kilo Mischbrot kaufte, verkürzte sich der Dialog bald auf „Guten Tag“ – „Guten Tag. Ein halbes Misch?“ – „Ja, bitte“ – „Bitteschön. Macht zwölf Schilling. – Danke. – Auf Wiedersehen“ – „Auf Wiedersehen.“
Wenn ich das Geschäft betrat wusste die Verkäuferin, was ich kaufen wollte und ich wusste, was das kosten werde. Ich überlegte schon, hin und wieder was anderes zu kaufen, um die Gesprächskultur zu intensivieren. Aber das Mischbrot war genau das, was mir am Liebsten war. Manchmal, wenn die Verkäuferin gerade im Gespräch mit einer anderen Kundschaft war, begnügten wir uns damit, zu grüßen. Sie legte mir „ein halbes Misch“ auf das Pult und ich legte zwölf Schilling auf die Geldtasse.
Wo ich allerdings absichtlich schwieg, das war vor wenigen tausend Jahren, als ich einen Schaffner bestrafen musste. Ich fahre täglich mit dem Zug und kann bestätigen, dass die meisten Schaffner ausgesprochen freundlich sind. Allerdings: Auf zirka tausend freundliche Schaffner kommt ein unfreundlicher. Ich hatte damals eine „Presse-Vorteilskarte“, mit der man mit Zweite-Klasse-Fahrkarten auch in der Ersten Klasse fahren durfte. Wenn ein Schaffner nicht genau schaute, dann sagte er meist: „Sie haben eine Zweite-Klasse-Fahrkarte. Möchten Sie aufzahlen oder wollen Sie in die Zweite Klasse wechseln?“ Dann konnte ich ihn darauf hinweisen, dass ich eine „Presse-Vorteilskarte“ hatte und der Schaffner meinte etwa „Ah ja, stimmt.“ Ein Schaffner allerdings reagierte anders: Ich zeigte im Fahrkarte und „Presse-Vorteilskarte“. Darauf begann er ohne etwas zu sagen in sein Tippding zu tippen. Ich dachte mir: „Jetzt druckt er bestimmt eine Aufpreiskarte. Aber wenn er nichts sagt, sage ich auch nichts.“ Nach dem Tippen kam mit Ratterpiepsgeräuschen die Karten aus dem Tippding. Der Schaffner riss sie ab und sagte: „Das macht soundsoviel Euro.“ Ich zeigte ihm noch einmal meine „Presse-Vorteilskarte“ und er meinte daraufhin „Des hed ma uns spoan kena“. „Das stimmt“, dachte ich mir, „sprich nur ein Wort.“

Auf Reisen kann man was erzählen

16. August 2014

Der Spruch „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“ trifft auf mich voll und ganz zu – allerdings auf eine andere Weise als es gemeinhin gemeint ist.
Ich bin ja bekennender Mehrmalserzähler von Geschichten, die ich erzählenswert finde. Dabei passiert es mir immer wieder, dass ich wem ein- und dieselbe Geschichte schon zum zweiten, dritten oder wasweißichvieltem Mal erzähle. Je nach Gemüt des Gegenübers reagiert er oder sie dann mit freundschaftlichem Verständnis oder mit schnippischen und demütigenden Blosstellworten – mit allen Abstufungen dazwischen. In manchen Bekanntschaftskreisen wage ich schon gar nicht mehr, Geschichten zu erzählen, die älter als zwei Tage sind.
Und hier kommt der Reise-tut-Spruch ins Spiel: Auf Reisen lerne ich viele neue Leute kennen. Leute, die keine meiner Geschichten kennen. Und wenn ich dann eine erzähle, kann ich mir sicher sein, dass mich keiner schnippisch daran erinnert, dass ich das schon erzählt habe.

Auf und da Goaß noch

19. Juni 2014

In meiner längst vergangenen Jugend machte ich einmal den Fehler, dass ich meinem Freundeskreis kund tat, dass mir der Spruch „Auf und da Goaß noch“ auf die Nerven gehe, woraufhin ich regelmäßig mit eben diesem Spruch begrüßt wurde. Vielleicht wiederhole ich den Fehler jetzt auf meine alten Tage, wenn ich Ihnen mitteile, dass ich den Spruch „… wie das auf Neudeutsch heißt“ nicht verputzen kann. Jeder darf doch so reden wie er will und dazu die Ausdrücke verwenden, die er passend findet. Wenn einer keine Anglizismen oder Pifkizismen oder neue Wörter mag, soll der sie halt weglassen. Aber sie trotzdem zu verwenden, um sie gleich darauf mit „… wie das auf Neudeutsch heißt“ abzuschwächen ist Unfug.
Bei der Gelegenheit bitte ich Sie auch, den Spruch „… gegen den Strich bürsten“ und das Wort „lecker“ in meiner Gegenwart zu vermeiden. Aber nur wenn’s leicht geht.

Einmal mehr: Die Boshaftigkeit der Fliegen oder The Show can’t go on

11. Juni 2014

Das eherne Gesetz „The Show must go on“ gilt nicht nur während eines Konzertes. Da kann einem beim Geigenspielen ein Körnchen Kolophonium an die Nasenspitze geraten und furchtbar jucken: das Lied muss trotzdem zu Ende gespielt werden, würde man sich auch noch so gerne kratzen. Dieses Gesetz gilt auch daheim, wenn ich im stillen Kämmerlein (zumindest still, bis ich zum Geigenspielen anhebe) für mich alleine spiele. Nun gibt es allerdings Bösewesen, die mir das Fertigspielen unmöglich machen. Über die Boshaftigkeit der Fliegen habe ich des öfteren wortgespendet. Und ich habe das starke Gefühl, dass ich es sogar mit außerordentlich boshaften Fliegen zu tun habe. So eine versteckt sich irgendwo im dem Durcheinander, das in meinem Zimmer herrscht. Kaum beginne ich Geige zu spielen kommt sie aus ihren Versteck heraus geschossen und kriecht über meine Finger, über den Geigenbogen, fliegt dann an meine Nase – kurzum: sie macht mir das Weiterspielen unmöglich. Jetzt lege ich die Geige in ihren Koffer und hole den Fliegenpracker. Aber die Fliege hat sich bereits wieder in ihrem Versteck verschanzt. Ich greife wieder zur Geige, nehme den Bogen in die Hand und kaum erklingt der erst Ton ist – schwuppdiwups – die Fliege wieder zur Stelle und absolviert ihr Lästigkeitsprogramm. Ich lege Geige und Bogen behutsam ab und greife zum Pracker. Da setzt sich die Fliege kurz auf die Geige, um – zack! – wieder in ihr Versteck zu fliegen. Dieses Spiel geht nun eine Weile so weiter. Eigentlich wollte ich meiner Geige ja wohlklingende Töne entlocken, die einfach und gelassen im Rhythmus grooven. In der Zwischenzeit bin ich aber schon so verärgert, dass ich schon mehr eine verzerrte, voll aufgedrehte Elektrogitarre bräuchte, um meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Aber da ist es schon 20 Uhr. Die Uhrzeit, zu der ich, um meine Nachbarn zu schonen, die Geige wieder wegpacke. Das ist die Zeit, zu der die Fliege auch schon nach Hause fliegt, um im Kreise ihrer Familie damit anzugeben, dass sie mich wieder einmal einen ganzen Abend am Geigespielen gehindert hat.

Ende der Diskussion

29. Mai 2014

Manche Diskussionen erübrigen sich dank der neuen Medien. Da steht zum Beispiel eine Gruppe Leute beisammen und fragt sich, wie schwer wohl ein Feldhase sei. Die Meinungen reichen von zwei Kilo bis zu zwanzig Kilo. Da dauert es nicht lange bis eine Person ihr Tipp- und Wischding aus der Tasche zieht und „Feldhase“ suchmaschint. „Na bitte!“, sagt sie dann, „Feldhase. 35 Kilo!“ (Gesuchmaschinten Informationen sollte man nur bedingt vertrauen)
Völlig unnötig wäre heute jene stundenlage Diskussion, die ich in der Prä-Suchmaschinenzeit in einer Gaststätte in Baden bei Wien mitverfolgen durfte. Am Nebentisch war eine hitzige Debatte entbrannt, wie viel Liter Wasser in eine Badewanne passen. Erschwert wurde die Diskussion dadurch, dass da ein Mann dabei war, der kategorisch keine andere Sichtweise als die seine durchgehen lies, und die lautete „100 Liter, Ende der Diskussion“. Nach einer Weile des Feilschens neigte sich die Diskussion in Richtung der Fragen: mit oder ohne wem in der Wanne drin, randvoll oder so voll, wie man sie üblicherweise für ein Bad füllt? Es folgte eine weitere Runde Bier und die Diskussion nahm an Intensität zu. Der Kategorische wurde noch kategorischer und auch die anderen Gesprächsteilnehmer beharrten auf ihren Einschätzungen, die zwischen 60 und 200 Liter rangierten. Es flogen Sätze wie „Bist deppat? Bei sechzg Lita do passt jo ned amoi a Zniachtl eini!“ Schließlich kam die Gruppe auf die glorreiche Idee, einen Installateur anzurufen. (Nicht mit dem Handy. Es war auch die Prä-Handyzeit. Dafür hatte der Wirt ein Münztelefon.) Es dauerte eine Weile, bis der Installateur die Frage verstand und beantworten konnte. Die Antwort lautete 150 Liter. „I hob’s jo gsogt!“, rief einer 150 Lita, des san fufzehn Kübin und in an Kübi gengan zehn Lita.“ „Bist deppat? In an Kübi gegangen grod amoi fünf Lita eini!“ Nachdem die Kübelfrage geklärt war und noch ein paar Bier die Runde gemacht hatten, ging es wieder um die Badewanne. Die Frage lautete: 150 Liter mit wem in der Wanne drin oder ohne, weil der, der den Installateur angerufen hatte, vergessen hatte zu fragen.
Falls Sie jetzt die Frage mithilfe der Suchmaschine meines Misstrauens zu beantworten versuchen, werden Sie sehen, dass viele Angaben unterschiedlichster Größenordnung herauskommen. Wohl deshalb, um die Tipp- und Wischdingbesitzer nicht um ihre schönen Diskussionen zu bringen.