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Konjunktivsteuer

6. November 2012

Seit Jahren zahle ich Konjunktivsteuer – und das nicht zu knapp. Lassen Sie mich erklären. Jeder Tag, jede Woche, jeder Monat – mein Leben – ist zu kurz, um all das zu tun, was zu tun wäre. Ich teile das so ein: Es gibt Dinge, die ich tun muss. Es gibt Dinge, die ich tun will. Und es gibt Dinge, die ich tun sollte. Bei Dingen, die tun muss, bleibt mir eh keine Wahl. Um alles zu tun, was unter „Dinge, die ich tun will“ eingeordnet ist, fehlt mir die Zeit, aber ein Teil davon geht sich aus. Auf der Strecke bleiben Dinge, die ich tun sollte. Deshalb ist meine Wohnung meist nicht aufgeräumt, mein Auto seit Jahren ungewaschen und einen Lohnsteuerausgleich habe ich schon elf Jahre nicht mehr gemacht. Immer wenn ich an Lohnsteuerausgleich denke, dann denke ich: „Das sollte ich jetzt auch einmal machen.“ Sollte: Konjunktiv. Also habe ich dem Staat bereits sechs Jahre die Lohnsteuer geschenkt, die er mir zuviel abgeknüpft hat – sprich Konjunktivsteuer. Ich betrachte das als nachträgliche Studiengebühr: Der Staat hat mir ein Studium finanziert, das sechs Jahre gedauert hat, und jetzt kriegt er halt ein bisschen Geld zurück.
Aber ich habe mir fest vorgenommen, noch heuer einen Steuerausgleich zu machen. Ich könnte es heute tun.

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