Archive for Mai 2012

Meine Ohren machen Lärm

26. Mai 2012

Noch ist mein Kampf für einen Modetrend – kurze Hose, Socken und Sandalen – nicht gewonnen, schon bin dabei die Einführung eines weiteren Modetrends aus- und herbeizurufen: die Einführung der Ohrenlärmschutzklappen. Denn meine Ohren machen Lärm. Ich spreche hier nicht von Tinnitus, der mich zwar auch begleitet, nein ich spreche von dem Lärm, den meine Ohren bei Gegenwind machen, etwa beim Radfahren. Ab einer Gegenwindgeschwindigkeit von 20 km/h beginnen meine Ohren so laut zu rauschen, dass sie fast alle andern Geräusche übertönen. Und an der Stelle käme die Ohrenlärmschutzklappe zum Einsatz. Wenn ich nämlich beide Hände vor den Ohren an den Kopf lege und im rechten Winkel nach vorne klappe, lenken diese den Wind auf eine Weise ab, dass das Rauschen sofort aufhört und ich wieder die Vögel singen, die Grillen zirpen und den Bach gluckern höre. Auf die Dauer ist Radfahren mit an den Kopf angelegten Händen natürlich anstrengend und auch die erstaunten Blicke der anderen Radler sind nicht gerade selbstwertgefühlsteigernd.
Im Gegensatz zum Kurzehosenmitsockenundsandalentragen bin ich – was die Einführung der Ohrenlärmschutzklappe anbelangt – sehr zuversichtlich, habe ich es doch miterlebt, wie die dämlichst geformten Radhelme eingeführt wurden und sich mittlerweile etabliert haben.  Ich verweigere vorerst das Tragen von Radhelmen, sollten die aber eines Tages standardmäßig mit Ohrlärmschutzklappen versehen sein, dann lasse ich gern mit mir reden.

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Pfannenkaufverbot

26. Mai 2012

Von Töpfen, Pfannen und anderen Kochutensilien kann ich gar nicht genug bekommen. Oder vielmehr: Ich habe längst mehr als genug, aber dann entdecke ich noch eine gusseiserne Pfanne und eine schmiedeiserne und einen emailierten Gusseisenbräter und einen unemailierten … Ich habe mir jetzt einmal selbst ein einjähriges Töpfe- und Pfannenkaufverbot auferlegt.
Dieses Faible für Kochgeschirr rührt nicht aus der Zeit, in der ich Kochlehrling war sondern führt uns ins Jahr 1983. Damals war ich ein halbes Jahr lang mit dem Fahrrad in Frankreich unterwegs. Meine Reisekasse und meine eingeschränkte Möglichkeit, Kochgeschirr mitzunehmen führten dazu, dass ich mich in dieser Zeit fast ausschließlich von Haferflockensuppe und Brot ernährte.
Auf meiner Reise kam ich eines Tages nach Louhans im Burgund. Dort entdeckte ich eine Haushaltswarenhandlung mit einer großen Auslage, in der die herrlichsten Töpfe, Pfannen, Bräter und vieles mehr ausgestellt waren – keine Designerware sondern bodenständiges Geschirr, das wirklich zum Kochen da war. Fast hätte ich mir an der Auslagenscheibe die Nase platt gedrückt und ich stellte mir vor, welch köstliche Speisen man mit all dem Geschirr zubereiten könne. Und seit diesem Tag wallt in mir das Begehren nach guten Pfannen und Töpfen.
Auch wenn ich beim Kaufen genau weiß, dass ich die Dinge nicht wirklich brauche, tröste ich mich damit, dass sich andere riesige Autos kaufen obwohl sie diese auch nicht wirklich brauchen weil es ein Kleinwagen auch täte.

Mit dem Frühling kamen die Tiere

22. Mai 2012

So sehr ich mich den ganzen Winter über auf den Frühling freute – und so sehr ich mich freue, dass jetzt Frühling ist: einen Grund zum Sudern habe ich trotzdem. Denn mit dem Frühling kamen und kommen die Tiere. Ich meine jetzt nicht Erdferkel, Tulpenbären oder Ringelnattern sondern Kleinfluggetier.
Die erste Fliege des Jahres betrachte ich als Frühlingsbote und tue ihr nichts zuleid. Aber sobald es mehr werden beginnt mein Kampf, der mit dem des Pilch in der Fernsehserie „Kottan“ vergleichbar ist. Fliegenklappe und Staubsauger liegen stets parat. Und jede Fliege wird gnadenlos verfolgt. Die Fliegen nützen ihre Fähigkeit wie die Depperten herumzufliegen und sich so der Fliegenklappe zu entziehen. Ich wiederum nütze meine Größe und die Fähigkeit sitzende Fliegen zu sehen von ihnen aber nicht gesehen zu werden. Es ist also ein fairer Kampf.
Etwas anderes ist es mit den unfreiwilligen Fluggästen. Habe ich in der Küche Licht brennen, dann drängen sich Myriarden von Kleinflügeltieren an der Glasbalkontür. Manchmal, wenn ich dann auf den Balkon hinaus will mache ich zuerst das Licht aus bevor ich die Tür öffne. Dann spüre ich in meinem Gesicht, dass ich mich durch eine Wolke aus Geflügel bewege – Geflügel, das auch im Finstern in meine Küche strömt. Und dann sitzen all die traurigen Tiere an den Wänden meiner Küche. Ich könnte sie jetzt einzeln retten, aber dazu müsste ich die Balkontür öffnen und damit einer weiteren Myriarde Fliegewesen Einlass gebieten.
Was mich wundert: Manche Leute haben die ganze Nacht das Fenster offen, das Licht brennen,  kein Fliegengitter und trotzdem verirrt sich kein Vieh in ihre Zimmer. Was mache ich nur falsch?

In dem Zusammenhang könnte ich auch die Evolution fragen, was sie falsch gemacht hat. Wozu in aller Welt hat sie nachtaktive Tiere hervor gebracht, wenn die dann erst recht aufs Licht – und damit in den Tod – fliegen?