Ruft noch ein Schwein an?

20. September 2013

Jetzt frage ich mich gerade, ob es wohl noch irgendwo auf der Welt einen Anrufbeantworter gibt, wo man „Kein Schwein ruft mich an“ hört, wenn man anruft?

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Tierschutzgrinsen

1. September 2013

Vielleicht kennen Sie die Geschichte der Grinsekatze im Buch „Alice im Wunderland“. Diese hat die Fähigkeit, unsichtbar zu werden während nur noch das Grinsen sichtbar bleibt. Den gegenteiligen Effekt sieht man bisweilen in belebten Fußgängerzonen oder auf Gehsteigen. Da geht man so vor sich hin und bekommt das Gefühl, dass einen aus der entgegenkommenden Menschengruppe heraus ein Grinsen angrinst. Schließlich bildet sich rund um das Grinsen die Kontur des Menschen, der da so grinst. Und wenn man dann so nahe ist, dass es fürs Ausweichen schon zu spät ist, erkennt man: Nicht ein Bekannter ist es, der darüber grinst, dass er einen schon von weitem erkannt hat sondern ein Tierschutzkeiler. Oder ein Kinderschutzkeiler.
Diese haben alle den selben Tierschutzkeilergrinser aufgesetzt, wenn sie einem Opfer mit sanfter Gewalt den Weg versperren. Darauf kommt die Frage „Hast du fünf Minuten Zeit für den Tierschutz?“ Auch wenn manche der Organisationen, die da um Mitgliedschaften werben, sehr wichtig sind, gehen mir diese Grinsekeiler ziemlich auf die Nerven. Ich bin selbst zahlendes Mitglied gleich mehrerer solcher Organisationen und bin allen freiwillig beigetreten. Allerdings habe ich keine Lust, jedes Mal aufs Neue zu erklären, dass ich eh schon Mitglied bin und versuche deshalb Grinsekeilern großräumig auszuweichen. Vor kurzem war ich kurz unkonzentriert und – schwupps – schon war ich von einem Kinderschutzgrinsekeiler eingefangen, der mich fragte, ob ich fünf Minuten Zeit für den Kinderschutz habe. „Ich antwortete: ‚Nein, ich hasse Kinder!’“ Und damit jetzt ja kein Irrtum aufkommt: Ich hasse Kinder überhaupt nicht und sagte es nur, um dem Keiler zu entkommen. Dieser ließ mich mit den Worten „Das ist aber traurig!“ meines Weges ziehen.
Manchmal sieht man die Grinsekeiler auch im Rudel jagen. Da zwingen zwei, drei Grinser das Opfer, einen Umweg zu machen, um dann direkt in die Arme eines vierten zu laufen.
Und das ist wieder der positive Effekt der Grinsekeiler: Wenn man von einem Straßencafé aus das bunte Treiben – im wahrsten Sinne des Wortes – beobachtet, bekommt man wunderbares Straßentheater geboten.

Supermarktschlangestehen

31. August 2013

Es gibt Leute, die die untrügliche Gabe haben, sich bei Supermarktkassen genau in jener Schlange anzustellen, in der es am längsten dauert. Ich darf freimütig bekennen, dass ich einer dieser Sorte bin. Dass ich damit nicht allein bin, zeigte sich am Wiener Westbahnhof beim Merkur. Vor mir in der Schlange stand nur eine Person, die zwei Wurstsemmeln aufs Band gelegt hatte. Allerdings musste die Kassiererin vor dem Weiterkassieren noch eine Reklamation bearbeiten. Zwei Frauen hatten zwei Forellen gekauft, diese waren offenbar verbilligt – aber die Scannerkasse hatte den vollen Preis berechnet. Nun wurde der Filialleiter herbei gebeten. Gemeinsam mit der Kassiererin tippte er immer wieder irgendwas in die Kasse ein, überprüfte lange den Bon, den die Kasse ausspuckte, tippte wieder etwas ein, rechnete wieder nach. Kompliziert wurde die Rechnung dadurch, dass eine der Kundinnen ein „friend of merkur“ war. Um es kurz zu machen: Es dauerte wirklich lange.
Da wandte sich die junge Frau, die hinter mir angestellt war, an mich: „Ich muss mich bei Ihnen entschuldigen“, sagte sie, „Das ist meine Schuld. Immer, wenn ich vor einer Kasse angestellt bin, passiert so etwas.“

Die Motorsäge der inneren Kraft

28. Juli 2013

Auf dem „Kraftweg“ benannten Wanderweg vom „Arltörl“ auf das „Fulseck“ bei Dorfgastein stehen an mehren Plätzen Taferl, die einladen, bestimmte Übungen zu unternehmen. An einer steht: „Spüren Sie die positive Energie dieses Platzes und nehmen Sie diese in sich auf.“ Und dazu passend erschallt die Motorsäge aus dem Tal. Sie macht „om-om-om“.

Auf der Fliegenautobahn

18. Juli 2013

Über die Lästigkeit der Fliegen – der Gemeinen Stubenfliegen, um genau zu sein – habe ich ja schon mehrfach lamentiert. Was besonders blöd ist, ist, dass mein Computer, also der bei mir daheim, mitten auf der Fliegenautobahn steht. Unter all den Fliegen dieser Welt gibt es immer eine, die zwischen Fenster, Wand und dem Bildschirm hin und her flitzt und zwar immer auf der selben Flugbahn. Manchmal setzt sie sich auf den Bildschirm und manchmal kollidiert sie mit meinem Kopf. Manchmal versuche ich sie im Flug mit dem Büchlein „700 Griffe für die Schlaggitarre“ zu schlagen, manchmal mit der flachen Hand. Meist verfehle ich sie. Irgendwann stirbt die Fliege dann an Langeweile, allerdings nicht bevor sie die Tradition des lästigen Hinundherfliegens auf der Fliegenautobahn an die nächste Fliege weiter gegeben hat.

Zu Lasten der Reißverschlüsse

27. April 2013

Die moderne Kleidungstechnik schaffte es Kleidungsstücke herzustellen, in denen man unbeschadet derart hoch in die Atmosphäre aufsteigen kann, dass man nachher über Diktaturen zu phantasieren anfängt. Aber einen ordentlich funktionierenden Reißverschluss hat die Technik noch nicht bereit gestellt. Oder vielmehr: einen Reißverschluss, der aus Sicht der Konsumenten ordentlich funktioniert. Aus Sicht der Hersteller dient ja ein Reißverschluss dazu, zu verhindern, dass ein Kleidungsstück zu lange hält.
Alle meine Jacken, auch die teuren, hätte ich länger tragen können, hätten die Reißverschlüsse länger gehalten. Gerade bei sogenannten wasserdichten Gortex-Jacken kann man ja keinen neuen Reißverschluss einnähen sonst wären sie noch weniger wasserdicht als sie ohnehin schon sind.
Bei meinem vorigen Rucksack waren Reißverschlüsse defekt. Zumindest aus der Sicht der Hersteller, denn sie hielten sehr lange. Diesen Rucksack trug ich über Jahre tagaus tagein – und als er dann nach langer Zeit durchgescheuert war, funktionierten die Reißverschlüsse noch immer. Daher kaufte ich mir als Nachfolgerucksack einen baugleichen der selben Marke. Doch diese hatte in der Zwischenzeit auch schon ihre Hausaufgaben gemacht und verwendet nun auch Reißverschlüsse, die zwicken und klemmen – in der Hoffnung, dass es die Benützer einmal so eilig haben, dass sie versuchen den Reißverschluss mit Kraftanstrengung zu öffnen, wodurch er dann endlich seine wahre Funktion erfüllt, nämlich kaputt zu gehen.

Wandern auf der schirchsten Straße Englands

15. April 2013

Zu den zehn Dingen, die man nicht unbedingt machen muss, wenn man in Bristol ist, zählt die Wanderung von Avonmouth nach Severn Beach. Es sei denn, man möchte einsdreiviertel Stunden auf der schirchsten Straße Englands einher schreiten, während Myriden Autos – vornehmlich Lastautos – lautstark vorbei rasen. Das klingt dann so: fjoing, frum, fjoing, rongogngong, fjoing, flopflopflopflopflpop, fjoing, fjoing, usw.
Wer bei dieser Wanderung den besonderen Kick sucht, der unternimmt sie bei Regen. Dann wird der Straßenlärm noch viel intensiver und mit einem zusätzlichen wscht-wscht-wscht-wscht-wscht-wscht … unterlegt. Und auch der Methangeruch der Müllkippe bekommt durch die Feuchte die ganz besondere Würze.
Puristen allerdings wählen die Variante mit Regen und heftigem Gegenwind sowie Temperaturen unter 5 Grad Celsius.

Ich bin ein Retro-Pionier

3. April 2013

Zur vorigen Wortspende möchte ich doch anmerken, dass ich eigentlich ein Retro-Pionier bin. Zwei Beispiele, um das zu demonstrieren: Die Hormone bewirken, dass Leute, wenn sie an die dreißig Jahre alt werden, wieder an die Musik denken, die als Jugendliche hörten und an die typischen Kultobjekte jener fernen Zeit. Ich war da schon etwas früher dran als die anderen – und so geschah es, dass ich vor dem 70er-Jahre-Boom und vor „Wicki, Slime & Piper“ von Plattenladen zu Plattenladen und von Altwarentandler zu Altwarentandler zog, um Platten von Alvin Stardust, Suzi Quatro, Mud und Konsorten zu suchen. Das waren Namen, die keinem mehr was sagten. Meine bescheidene Ausbeute waren eine Kassette (!) von Suzi Quatro und ein Sampler, auf dem zwei Lieder von Alvin Stardust drauf waren. Wenige Jahre später waren die 70er dann auf einmal in und ich konnte mir alle die CDs von Stars kaufen deren Platten ich mir als Jugendlicher nie leisten konnte und mit von Freunden aufgenommenen Kassetten (!) vorlieb nehmen musste. Dazu kam, dass ich zwar zur Firmung einen Radiorecorder bekommen hatte, dieser aber nie richtig funktionierte. Keine Ahnung wie oft ich ihn zurück ins Radiogeschäft brachte, um ihn reparieren zu lassen. Aber wozu erzähle ich Ihnen das jetzt? Das erste Beispiel war also meine Vorwegnahme des 70er-Jahre Booms.
Beispiel zwei: Filterkaffee. Vor ein paar Jahren – es war die Zeit als die Kapselespressomaschinen anfingen, in Mode zu kommen – tat ich allerorten kund, dass mir Filterkaffee besser schmecke als Espresso, komme er jetzt von Kapselmaschinen oder sündteuren Vollautomaten. Allenfalls den Kaffee aus den zusammenschraubbaren italienischen Alukaffeekannen ließ ich noch gelten. Und das war keine Modeverweigerung: ich hatte den Filterkaffee – am besten mit Kuhmilch – am liebsten. Wenn ich wo zu Gast war, war es fast unmöglich, Filterkaffee angeboten zu bekommen. Alle hatten ihre Kaffeemaschinen schon weggeräumt oder beim Flohmarkt abgegeben. Und die klassische Kaffeekanne war überhaupt verschwunden. Das heißt: In Geschäften gab es noch Kaffeeservices – bestehend aus Tassen, Untertassen und einer Kanne – zuhauf, doch wenn man schon einmal wo Filterkaffee bekam, dann kam der aus der Glaskanne der Kaffeemaschine und die Porzellankanne ruhte irgendwo in den Eingeweiden der Hinterzimmerkästen.
Ich freue mich, dass ich sowohl Besitzer als auch Benutzer von Keramikkannen bin.
Von meiner Großmutter habe ich einen Melitta-Keramikfilterhalter 101 geerbt, den ich täglich für meine Startertasse Kaffee im Büro verwende. Ich besitze auch zwei Melitta-Keramikfilterhalter 102. Nur mein Viertassenfilterhalter ist aus Plastik; aber früher oder später werde ich auch dafür einen aus Keramik finden. Der Vollständigkeit halber darf ich noch anmerken, dass ich Fairtrade-Kaffee bester Qualität verwende. Und das war auch schon Beispiel Nummer zwei. Seit knapp einem Jahr – mittlerweile gibt es außer meinem keinen Haushalt mehr ohne Espressomaschine – hat sich herumgesprochen, dass Filterkaffee doch der bessere ist. Was ich jetzt doch gestehen muss: die Walküre Keramikkanne mit Keramikfilter, für den man nicht einmal einen Papierfilter braucht, habe ich erst erstanden als sie schon hip war.
Und um noch einmal auf die vorige Wortspende zurück zu kommen: Ich werde mir jetzt tägliche eine Kassette anhören, um die Kassettenretrowelle ins Wallen zu bringen.

Nachtrag, 25. August, 2013

Ich freue mich, der Welt bekannt geben zu dürfen, dass ich nunmehr auch einen Viertassenfilterhalter aus Porzellan besitze. Ich habe ihn in einem gut sortierten Geschirrgeschäft in Amstetten erstanden.

 

Es werde Retro

7. März 2013

Was ich mich schon frage, ist, wann endlich die Retro-Welle kommt, die Tonbandkassetten wieder zum Objekt der Begierde macht. Ich kenne Leute, die haben zuerst alle Kassetten weggeschmissen, weil sie eh nur noch CDs hörten; und dann schmissen sie die CDs weg, weil sie Musik nur noch mit dem Computer oder MP3-Playern horchten.
Ich tu mir mit dem Wegschmeißen schwer. Gerade Kassetten haben – trotz ihrer Nachteile im Handling – etwas sehr Sympathisches an sich. Und da insbesondere die Kassetten, die jemand eigens für mich zusammen gestellt hat, wo ich weiß, dass eine Stunde Laufzeit auch eine Stunde Aufnahmezeit bedeutete.

An dieser Stelle empfehle ich den Roman „High Fidelity“ von Nick Hornby.

In meiner Jugend habe ich oft beim Radiohören eine Kassette bereit gehalten, um dann schnell auf „Aufnahme“ zu drücken, wenn was kam, das mir gefiel – und um dann schnell auf „Stop“ zu drücken, wenn eine Werbung kam oder der Sprecher in die Musik hinein plapperte.
Von diesen Kassetten habe ich leider nur noch eine. Da habe ich im Jahr 1975 (!) beim Ö3-Wecker-hören eine ganze Kassette zusammen gestellt. Natürlich sind das lauter zerschnittene Lieder, aber die Kassette habe ich schon oft und mit Freude gehört. Ja, und ich gestehe: ich habe sie mir auf CD überspielt und die Aufnahmen ein bisschen entrauscht und gereinigt.
Ich habe auch unzählige handbeschriftete und sogar computerbeschriftete Kassetten, die einfach zu schade sind, unbedacht in die Mülltonne gekippt zu werden. Ich würde sie ja gern jemandem schenken, der Freude damit hat. Aber nicht einmal geschenkt will die wer. Es ist mir gelungen einen Musikliebhaber zu finden, dem ich 100 Kassetten schenken konnte: Jazz und Blues, feinsäuberlich beschriftet.
Aber ich habe so viele Kassetten, dass die 100 weniger nicht einmal auffielen. Drum ist es höchste Zeit für die oben herbei gesehnte Retro-Welle. Ich freue mich schon darauf, dass mir dann die Leute die Kassetten förmlich aus der Hand reißen. In der Zwischenzeit schlage ich Ihnen liebe Leserinnen und Leser einen Tausch vor: Sie geben mir einen Kaffeefilterhalter aus Porzellan für vier Tassen und dürfen sich von mir so viele Kassetten nehmen wie sie wollen. Solange der Vorrat reicht.

Nachtrag, 25. August 2013

Da ich seit wenigen Tagen einen Porzellankaffeefilterhalter für vier Tassen besitze, ändere ich meinen Vorschlag folgendermaßen: Sie geben mir keinen Kaffeefilterhalter aus Porzellan für vier Tassen und dürfen sich von mir so viele Kassetten nehmen wie sie wollen. Solange der Vorrat reicht.

Der Wechselbart

11. Februar 2013

Ich trage einen Wechselbart. Das heißt: ich rasiere mich am Sonntag und danach rasiere ich täglich nur meinen Wangenbart. So habe ich an jedem Tag der Woche einen anderen Bart. Eine Kollegin, die nur an Donnerstagen und Freitagen im Büro arbeitete, kannte nur meinen Donnerstagsbart und den Freitagsbart, während meine Geigenlehrerin nur meinen Dienstagsbart kennt.
Themenwechsel: Als ich vor vielen Jahren in Wien arbeitslos war, verbrachte ich die meisten Tage mit langen Stadtwanderungen. Ich ging am Morgen los, wanderte ohne bestimmtes Ziel durch Wien und kehrte am Abend wieder nach Hause. An einem solchen Tag ging ich am Morgen in eine Bäckerei und frühstückte einen Krapfen und einen Kaffee. Dann begann die Wanderung. In zwei, drei Geschäften kaufte ich Lebensmittel und vor dem Heimgehen ging ich noch in die Bücherei, um mir ein paar Bücher auszuborgen. Als ich schließlich am Abend heim kam, zeigt ein Blick in den Spiegel, dass ich den ganzen Tag – ohne es zu merken – mit einem Krapfenbart durch Wien gelaufen war. Das sei Ihnen, da morgen Faschingsdienstag ist, zur Warnung ins Stammbuch geschrieben.