Archive for April 2010

Melodie am Handy

20. April 2010

Keine Sorge: Auch ich finde, dass das Thema Klingeltöne hinlänglich behandelt ist, auch in Wortspenden. Und ich gedenke nicht, dem etwas hinzuzufügen. Vielmehr möchte ich die Sprachmelodie der Handy-Telefonierer unter die Lupe nehmen.

Wenn ich mit Bekannten ins Kaffeehaus oder zum Mittagessen gehe, lasse ich mein Handy grundsätzlich daheim. Werden dann die Bekannten angerufen habe ich nichts, wo ich auch ein bisschen auf Tasten herumdrucken könnte und muss meine Aufmerksamkeit auf das Telefonat der Bekannten richten. Geht die Gesprächsmelodie ohne besondere Höhen oder Tiefen gleichmäßig „murmerdimurmerdi“ dahin, weiß ich, dass das Telefonat noch eine Weile dauern wird.

Dass das Ende eines Gesprächs naht, erkenne ich daran, dass die Tönhöhe steigt und die Sätze kürzer werden und Satzfetzen mit den Worten „Guat, oiso dann …“, „Geeeenau!“ oder „Machen wir!“ garniert werden. Jetzt könnte ich hoffen, dass die Bekannten gleich ihr Gespräch beenden, und ihre Aufmerksamkeit wieder dem Mittagessen zuwenden. Manchmal aber wähne ich ein Telefonat schon zu Ende, da brodelt es dann noch einmal ein paar Minuten weiter. Da kann auf meiner Seite schon fünfmal „Guat, oiso dann …“ erklingen – aber auf der anderen Seite der Leitung geht es unverdrossen „murmerdimurmerdi“ weiter. Spätestens ab diesem Zeitpunkt beginnt mir das Gespräch wirklich auf die Nerven zu gehen und ich muss mich sehr zusammen reißen, keine Störgrimassen zu schneiden oder anderen Unfug zu treiben.

Advertisements

Kulturtechnik für Fortgeschrittene

20. April 2010

Das Flugverbot wegen der Vulkanaschenwolke über England bescherte zahlreichen verhinderten Fluggästen einige Übungstunden in einer der klassischen Kulturtechniken der Engländer: dem Anstellen. Am Schalter der Bus-Gesellschaft Eurolines konnte man sogar diese Kulturtechnik für Fortgeschrittene trainieren. Und das ging so: Für die Busse, die um 8.00 Uhr morgens gingen, musste man – auch wenn man schon ein Ticket hatte – um 7.00 Uhr am Eurolines-Schalter einchecken. Über vier Schaltern waren elektronische Infotafeln installiert, die die jeweilige Destination der Busse anzeigten.
Über zwei Schaltern stand „Budapest via Lille, Bruxelles, Linz, Vienna“. Ich stellte mich bei einem der beiden Schalter an. Kurz vor 7.00 Uhr änderten sich die Destiantionen auf den Infotafeln wie durch Wunderhand. Über dem Schalter, an dem ich angestellt war, stand plötzlich „Budapest only Vienna Gent“. Ich blickte zurück und sah, dass hinter mir schon eine lange Kolonne stand. Sollte ich wieder zurück an den Start? Ich hatte Glück, denn auf gleicher Höhe mit mir stand einer, der sich auch plötzlich in der falschen Schlange befand. Wir tauschten unsere Plätze. Da öffneten sich die Schalter. Der Beamte teilte jenen, die nach Budapest fahren wollten und am Schalter „Budapest only Vienna Gent“ angestellt waren, mit, dass sie am falschen Schalter stünden, denn wie aus der Infotafel hervor gehe, fahren die Busse, die hier abgefertigt werden, nur nach Vienna und Gent. Ein paar Aufmüpfige teilten dem Beamten mit, dass auf der Infotafel „Budapest only Vienna Gent“ stünde. Daraufhin tippte der Beamte ein bisschen im Computer herum und danach stand auf der Infotafel nur noch „only Vienna Gent“ und ein Haufen Leute befand sich nun in der falschen Schlange. Diese wurden  zu der Schlange, in der ich noch immer wartete, weiter geleitet. Manche stellten sich gleich vorne an, was den Reisenden weiter hinten doch einiges an Murren entlockte. Hatten sie doch  die Nacht im Wartesaal ausgeharrt. Ich jedoch konnte mein freundliches Gesicht so lange bewahren, bis ich meine Fahrkarte bekam – und ein Diplom über die bestandene Prüfung in „Anstellen für Fortgeschrittene“.